Wie überspiele ich meine Videokassette auf DVD?
Vielleicht haben Sie letztes Wochenende den Dachboden oder Keller aufgeräumt und sind dabei auf eine Sammlung alter Video-Kassetten gestoßen. Möglicherweise sind diese mit alten Urlaubsaufnahmen, Kindervideos oder sogar Ihrem Hochzeitsvideo bespielt. Schade, wenn Sie diese wegschmeißen würden. Überspielen Sie Ihre Aufnahmen doch auf DVD!
Auf dieser Seite finden Sie eine Anleitung, wie Sie Ihre Videokassetten auf DVD oder PC überspielen (sogenanntes Capturing) können. Wenn Sie selbst keine Zeit und Nerven investieren bzw. das entsprechende Equipment nicht erwerben möchten, kümmern wir uns auch gerne um Ihre Videos.
Benötigte Hard- und Software
Abspielgerät
Zum Überspielen benötigen Sie als erstes ein Abspielgerät. Bei VHS(-C) Kassetten einen VHS-Recorder und ggf. einen VHS-C Adapter, bei anderen Videoformaten (Hi8, MiniDV, etc.) eine entsprechende Kamera oder Player. Gute VHS-Recorder gibt es beispielsweise von Panasonic und JVC. Trotz des höheren Preises, sind vor allem S-VHS Geräte anzuraten. Vom Hersteller JVC, dem Erfinder des VHS-Formats, ist die Modellreihe HR-S7600 bis HR-S9911U empfehlenswert sowie von Panasonic z. B. der NV-HS900 oder NV-HS1000. Mono als auch Geräte, die mit weniger als 4 Leseköpfen ausgestattet sind, sollten unbedingt vermieden werden. Bei Camcordern lohnt sich der Griff zu Sony-Geräten.
Time Base Correctors (TBC)
Diese Geräte sind im Profibereich anzutreffen und dienen hauptsächlich dazu, das Videobild zu stabilisieren. Ein TBC ist einer Art digitaler Bildspeicher, der das Videosignal um mechanische Schwankungen bereinigt. Das Bild wirkt insgesamt sauberer, da sogenannter Jitter verringert wird. Unsere Empfehlung ist der TBC-1000 von datavideo. Hochwertige S-VHS Player sind bereits mit einem TBC ausgestattet.
S-VHS oder Cinch/Scart-Cinch-Adapter Kabel
Ein abgeschirmtes und vergoldetes S-VHS Kabel ist sicherlich die erste Wahl, wenn es um Ihre wertvollen Erinnerungen geht. Da nicht jeder Player und Video-Capture Karte über einen S-VHS-Anschluss verfügt, genügt notfalls ein einfaches Cinch (RCA) Kabel mit Stereo-Audio und einer Video-Verbindung, um Ihr Abspielgerät mit Ihrem PC zu verbinden. Ebenfalls kann ein Scart-Cinch-Adapter Kabel verwendet werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Kabel gut abgeschirmt und lang genug ist. Wenn Sie ein S-VHS Kabel verwenden, benötigen Sie zusätzlich für die Übertragung der Audio-Signale ein Cinch (mit rotem und weißem Anschluss) oder entsprechend anderes Kabel (z.B. Klinke). Manche Capture Karten besitzen andere Eingänge - hier sollte auf die Spezifikation des Herstellers geachtet werden.
Video-Capture Karte
Weiterhin wird eine Video-Capture Karte oder besser noch eine TV-Karte mit MPEG-2 Chip benötigt. Eine TV-Karte mit integriertem MPEG-2 Chip (z. B. Hauppauge HVR-3000 oder Hauppauge PVR-250/PVR-350 (nur noch gebraucht auf Ebay)) überträgt Ihre Aufnahmen in exzellenter Qualität auf Ihren Computer. Ältere ATI-Grafikkarten (All in Wonder) eignen sich ebenfalls sehr gut zur Übertragung Ihrer Videos. Von einfachen USB-Videoschnittkarten sollte man lieber die Finger lassen. Diese sind zwar günstig, lassen aber bei der Qualität zu wünschen übrig. Wenn Sie über einen modernen Quad-Core Rechner verfügen, genügt auch eine Capture Karte ohne MPEG-2 Chip.
Videobearbeitungsprogramm/-software
Einerseits benötigen Sie ein sogenanntes Capturing-Programm, um Ihr Video auf Ihre Festplatte zu übertragen. Hierfür eignet sich in der Regel die Herstellersoftware Ihrer Capture Karte. Sofern Sie eine Hauppauge WinTV-Karte verwenden, ist die mitgelieferte Software WinTV ideal zum Übertragen Ihrer Videos geeignet. Ebenfalls empfehlenswert sind professionelle Programme wie z. B. VirtualDub oder VirtualVCR - beide sind kostenlos. Weiterhin benötigen Sie ein Schnitt- bzw. Authoring-Programm, um Ihr Video zu bearbeiten und ggf. in eine Video-DVD zu konvertieren. Es gibt sehr viele Einsteigerprogramme, wie z. B. der Windows Movie Maker oder Magix Video easy. Professionellere Programme, die mehr Funktionen bieten, sind z. B. Pinnacle Studio oder TMPGEnc Authoring Works. Mit diesen können Sie eine DVD samt Kapitel und Menü erstellen. Brennen können Sie mit Windows Boardmitteln oder einem entsprechenden Brennprogramm.
DVD+/-R Rohlinge
Wir empfehlen Verbatim-Rohlinge, welche bekannt für Ihre gute Qualität und lange Lebensdauer sind. Bei den heutigen DVD-Playern können sowohl DVD-R als auch +R verwendet werden. Möchten Sie Ihre DVDs gleich beschriften, können Sie zu sogenannten printable-Rohlingen greifen. Hierfür benötigen Sie jedoch einen Drucker, der deratige Rohlinge bedrucken kann. Etwas teurer aber hochwertiger sind Lightscribe-Beschriftungen, bei denen die Schrift auf den Rohling gebrannt wird. Hierfür wird jedoch ein entsprechender Brenner benötigt.
Einrichtung
Hardware
Zunächst müssen Sie die Hardware anschließen. Dazu stecken Sie die Capture Karte bzw. TV-Karte an einen freien PCI-Steckplatz in Ihrem PC. Sofern Sie Cinchstecker verwenden, stecken Sie diese wie auf dem Foto unter Hinweise zu sehen, in die dafür vorgesehenen Buchsen. Achten Sie auf die Farbkodierung. Der gelbe Anschluss dient zur Übertragung des Videosignals, der rote für den rechten und weiße für den linken Audiokanal. Bei einem SCART-Kabel achten Sie darauf, dass Sie den Stecker in die AV1(TV)-Buchse, selten auch ext1(TV), des Videorecorders stecken. Bei einem S-VHS Kabel muss nichts beachtet werden, da hier in der Regel nur ein passender Anschluss vorliegt. Für die Übertragung der Audiosignale kann ein abgeschirmtes Cinch-Kabel verwendet werden (roter und weißer Anschluss). Weiterhin sollten Sie das Abspielgerät einer Reinigung unterziehen. Es lohnt sich die Leseköpfe mit einem Baumwolltuch und einem Tropfen Ethanol zu säubern. Alternativ können Sie auch eine Reinigungskassette durchlaufen lassen - bitte beachten Sie hierbei die Gebrauchsanweisungen des Herstellers.
Software
Bevor Sie nun mit der Digitalisierung beginnen können sollten entsprechende Einstellungen gesetzt werden. VHS und Video8 haben eine Bildauflösung von 352 x 480 Bildpunkten. Allerdings bietet es sich an, gleich im Zielformat von 720x576 Bildpunkten (DVD im PAL-Format) aufzunehmen. Dementsprechend sollte die Bitrate auf max. 8 MBit/s oder wenn möglich, variabel (VBR) gesetzt werden. VBR nutzt abhängig von der aktuellen Szene nur die Bitrate, die benötigt wird, um das Bild möglichst gut darzustellen. Diese Methode lässt die Datei nicht zu groß werden und spart Platz. Die Audioeinstellungen sollten auf 48 kHz sowie 224 kbit/s gesetzt werden. Wenn Sie aus Ihren Aufnahmen Video-DVDs erzeugen möchten, können z.B. die Audiocodecs MP2 oder AC-3-Stereo verwenden. Im Mehrkanalmodus aufzunehmen macht wenig Sinn, da die Audioquelle meist Stereo und zum Teil sogar Mono ist.
Restauration
Video
Wichtigster Bestandteil der Videorestauration ist die verwendete Hardware und die fängt beim VHS-Recorder mit sauberen Leseköpfen an. Je besser das eingesetzte Wiedergabegerät ist, umso hochwertiger sind die Videobilder und seltener die Dropouts. Es ist fast unmöglich Ihre Videos mit durchschnittlichen Verbrauchergeräten zu restaurieren. Hochwertige Recorder haben den größten Einfluß auf die Bildrestauration. Sie verfügen über Verstärker und eingebaute Filter, die z. B. Rauschen und Bildsprünge reduzieren (siehe TBC). TBCs stabilisieren das Bild und verhindern plötzliches Aufhellen und Abdunkeln. Ebenfalls nicht gespart werden sollte an der eingesetzten Video-Capture Karte. Mit Software lassen sich viele Probleme nachträglich nicht oder nur sehr schwer korrigieren. Einzige Möglichkeit ist oftmals den Rand des Videobildes zu entfernen und den übrigen Teil zu vergrößern (sogenanntes Cropping).
Audio
Die Audiorestauration kann anders als die Videorestauration fast vollständig mit Software umgesetzt werden. Typische Vorgehensweisen sind die Normalisierung der Lautstärke sowie das Entfernen von Hintergrundrauschen, Brummen und Piepen. Professionelle Software, die über viele Filter verfügt, ist z. B. Sound Forge.
Abschliessende Fragen
AVI oder MPEG?
Die Antwort richtet Sie nach der Frage des Verwendungszwecks. Wenn Sie Ihre Filme einer aufwändigen Bearbeitung unterziehen wollen, lohnt es sich ein unkomprimiertes (YUY2) oder ein nur schwach komprimiertes Format und damit AVI als sogenannten Container zu verwenden. Möchten Sie Ihre Videos stattdessen nur schneiden und anschließend in eine Video-DVD konvertieren, empfehlen wir Ihnen im MPEG-Format zu arbeiten.
Empfohlene Hardware
Abspielgerät
- für VHS Kassetten ein S-VHS-Recorder von Panasonic oder JVC mit Reinigungskassette
- für VHS-C Kassetten zusätzlich ein HQ VHC-C Adapter
- für Hi-8 Kassetten ein Sony Player oder Camcorder mit Reinigungskassette
Video- und Audiokabel
Rohlinge
- Verbatim DVD+R 4,7 GB Rohlinge
- oder bedruckbare Verbatim DVD+R 4,7GB Printable DVD-Rohlinge
- alternativ Verbatim DVD+R 4,7 GB Lightscribe DVD-Rohlinge
Empfohlene Software
Zur Videoübertragung
- Für WinTV Karten die mitgelieferte Software
- für Fortgeschrittene VirtualDub oder VirtualVCR
Zur Videobearbeitung
- für Einsteiger MAGIX Video easy HD
- für Fortgeschrittene Pinnacle Studio Ultimate Collection 15
Zur Audiorestauration
- für Einsteiger Audio Restaurator Pro 6
- für Fortgeschrittene iZotope RX - Audio Restaurationssoftware
Hinweise
Player und Capture Karte mit Cinch-Kabel verbinden
Achten Sie auf die Farbkodierung. Gelb - Video, Weiß - linker Audiokanal, Rot - rechter Audiokanal
