Von der kompakten zur digitalen VHS

von vinett-video Mediaservice

Über zwei Jahrzehnte war die VHS-Kassette das marktführende Heimvideo-System. Nachdem anfangs noch verschiedene Systeme konkurrierten, hatte sich VHS spätestens 1984 im so genannten „Formatkrieg“ durchgesetzt und sollte bis zur Einführung der DVD das prägende Videoformat bleiben. In dieser Zeit erfuhr das „Video Home System“ verschiedene Weiterentwicklungen, die sich allerdings nur teilweise auf dem Markt durchsetzten.

VHS-C

Mit dem Aufkommen der ersten tragbaren Videosysteme in den frühen 1980er Jahren wurde auch VHS in einer verkleinerten Form weiterentwickelt. Zusammen mit dem ersten Camcorder präsentierte der japanische Konzern JVC 1983 das neue Videobandformat „Video Home System Compact“ – eine Version des VHS-Formats mit zwar verkleinerten Kassetten, jedoch identischem Spurbild und denselben technischen Parametern. So ist zum Beispiel das Magnetband wie bei einer herkömmlichen VHS-Kassette 12,7 mm breit.

VHS-C Kassette

Durch die VHS-C Kassette reduzierte sich die Camcorder-Baugröße erheblich. Die ersten tragbaren Modelle waren für den Betrieb mit normalen Kassetten ausgelegt und von der Videokamera getrennt. Die verhältnismäßig schweren Geräte fanden wenig Absatz. Die neuen VHS-C-Kassetten waren schmaler als eine übliche Audiokassette und beanspruchten vom Volumen her nur ca. ein Viertel einer üblichen VHS-Kassette. Der Bau von tragbaren Modellen in handgerechter Größe war damit möglich.
Nicht nur das neue Format, sondern auch die Kompatibilität mit normalen VHS-Rekordern führte dazu, dass VHS-C schnell eine große Beliebtheit erreichte. Mit einem preiswerten Camcorder konnten Aufnahmen für den Heimgebrauch gemacht und anschließend mit einem Adapter über den normalen VHS-Videorekorder abgespielt werden.

Wer heute nicht mehr über den passenden Adapter oder Videorekorder verfügt, kann seine VHS-C-Kassetten auch digitalisieren lassen.

S-VHS

Eine erhebliche Verbesserung des VHS Formats stellte das „Super Video Home System“ (S-VHS) dar, das 1987 von JVC eingeführt wurde. S-VHS bot neben einer höheren Bildauflösung auch eine gesteigerte Farbgenauigkeit. Um die Bildschärfe deutlich zu verbessern, wurde die Videobandbreite von ursprünglich 240 auf 400 Linien erhöht. Auf die gesamte Bildbreite gerechnet, bedeutet das ungefähr 530 Linien bei S-VHS im Vergleich zu etwa 320 Linien bei einer herkömmlichen VHS. Die Horizontalauflösung wurde durch eine deutlich höhere Trägerfrequenz des Helligkeitssignals verbessert. Die Videobandbreite beträgt 4 MHz gegenüber 3 MHz bei VHS. Auch der FM-Hubbereich wurde auf 1,6 MHz erhöht.

Trotz der deutlichen Qualitätsvorteile konnte sich S-VHS im Heimgebrauch nicht durchsetzen. Da zum Aufzeichnen von TV-Sendungen VHS völlig ausreichend war, erreichten S-VHS-Rekorder nur einen relativ geringen Marktanteil. Recht beliebt war S-VHS hingegen bei Amateurfilmern. Mit dem hochwertigeren S-VHS waren Aufnahmen möglich, die sich auf einem gewöhnlichen Fernsehapparat kaum von einer Digitalaufnahme unterscheiden ließen.

VHS-Kassette

S-VHS-C

Das weiterentwickelte S-VHS System wurde auch für Camcorder angeboten. Das „Super Video Home System Compact“, kurz S-VHS-C, kombinierte eine kompakte Größe mit der filmischen Qualität der S-VHS-Kassette und verfügte über eine Laufzeit von 30 bis 60 Minuten.

D-VHS – die digitale VHS

Die letzte Stufe der Weiterentwicklung des VHS Formats war D-VHS und wurde 1998 von JVC in Zusammenarbeit mit Hitachi, Matsushita und Philips vorgestellt. Das „D“ stand für eine vollständige digitale Signalumsetzung und Speicherung nach dem MPEG-2 Verfahren, also ausgeschrieben „Digital Video Home System“.

Als Nachfolger von S-VHS war es wie seine Vorgänger ein Medium zur Aufzeichnung von Videos auf Magnetbändern in einer Kassette. Bis auf die äußere Form hatte das Format jedoch nicht viel mit seinen Vorgängermodellen gemein. Selbst das Magnetband wurde qualitativ deutlich verbessert und bot eine wesentlich höhere Speicherdichte auf.

Obwohl D-VHS zum Zeitpunkt seiner Einführung neben DV das einzige digitale Videosystem für den Heimgebrauch war, das auch Eigenaufnahmen ermöglichte, konnte sich D-VHS auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Geräte waren anfangs sehr teuer und verloren mit dem Aufkommen von DVD- und Festplattenrekordern rasch an Bedeutung. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das VHS-System daher auch in seiner digitalen Variante nicht mehr weiterentwickelt.