Crowdfunding zur Indiefilm-Finanzierung

von Wolfgang Gumpelmaier

Immer mehr Filmprojekte finanzieren sich neuerdings über Crowdfunding. Mithilfe der Fans sollen auf diese Weise Projekte verwirklicht und kosteneffektiv Marketing betrieben werden. Was aber ist Crowdfunding überhaupt und was steckt hinter dieser viel versprechenden, alternativen Finanzierungsmöglichkeit. Hier ein paar Beispiele und Tipps aus dem Filmbereich:

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding ist eine Form von Crowdsourcing, also der Auslagerung von Aufgaben und Tätigkeiten an eine Gruppe von freiwilligen, oft anonymen Internetnutzern. Beim Crowdfunding wird diese Auslagerung um den finanziellen Aspekt erweitert und für künstlerische Projekte, Unternehmensgründungen und Geschäftsideen oder Sozialprojekte Geld gesammelt. Die Online-Crowd, also die breite Masse der Internet-NutzerInnen, unterstützt dabei ein Projekt finanziell und ermöglicht somit dessen Durchführung.

Dabei existieren laut dem CrowdfundingIndustry Report, der weltweit bisher umfangreichsten Crowdfunding-Studie, mindestens vier unterschiedliche Arten von Crowdfunding:

  • Equity-basiertes Modell: Bei diesem auch „Crowd-Investing“ genannten Modell beteiligt man sich an Startups und Unternehmen, in der Absicht einen finanziellen Benefit am Gewinn des Unternehmens zu erhalten.
  • Lending-basiertes Modell: Beim so genannten “Crowd-Lending” werden Mikrokredite zwischen Privatpersonen oder Firmen vermittelt. Hier wirkt sich die Gegenleistung in Form einer Rückzahlung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes aus.
  • Reward-basiertes Modell: Hier werden vor allem ideelle, aber auch materielle Prämien (z.B. Dankesnachrichten, DVD’s o.ä.) als Gegenleistung angeboten, um die Crowd zur Unterstützung zu motivieren.
  • Donation-basiertes Modell: Dabei handelt es sich um die Sammlung von Spenden, wobei abgesehen vom guten Gefühl und einer Spendenquittung zumeist keine anderen Gegenleistungen angeboten werden.

Wie funktioniert Crowdfunding?

In der Regel werden die Projektideen auf eigens dafür entwickelten Web-Plattformen vorgestellt, die sich um eine professionelle Präsentation, die technische und rechtliche Infrastruktur, den Geldtransfer sowie das Unterstützer-Management kümmern. Für die Bereitstellung dieser Infrastruktur behalten die Plattformen bei Erfolg eines Projekt bis zu zehn Prozent Provision ein. Hinzu kommen in vielen Fällen noch die Payment-Gebühren, z.B. für Bezahl-Dienste wie PayPal etc.

Sobald ein Projekt auf einer dieser Plattformen gestartet ist, versuchen die Projektinhaber die eigens definierte Zielsumme zu erreichen. Da nahezu alle Crowdfunding-Plattformen das so genannte „Alles-oder-Nichts“ Prinzip verfolgen, erhalten die Projektinhaber das Geld nur dann, wenn die angestrebte Summe in der zuvor festgelegten Zeit (im Durchschnitt ca. 40-60 Tage) erreicht wird. Eine Ausnahme von dieser Regel macht etwa die internationale reward-based Plattform IndieGoGo.

Über E-Mail und in Sozialen Netzwerken werden nun möglichst viele Menschen auf die Projektseite aufmerksam gemacht, mit dem Ziel sie zu einer finanziellen Unterstützung zu bewegen. Zusätzliche Presse-Arbeit sorgt für die nötige Reichweite und informiert zudem auch Menschen über die Crowdfunding-Aktion, die nicht über das Social Web davon erfahren. Dabei müssen Unterstützungen nicht zwingend in finanzieller Form erfolgen, auch Weiterempfehlungen bringen ein Projekt weiter und verhelfen so indirekt zum Erfolg.

Welche Voraussetzungen sollte mein Crowdfunding-Projekt erfüllen?

Unabhängig davon, dass es Projekte in gut vernetzten Nischen (z.B. Horrorfilme) oftmals leichter im Funding haben, müssen Projektinhaber vor allem drei Dinge beachten, wenn sie eine Crowdfunding-Aktion starten möchten:

Sie sollten Bereitschaft zeigen, mit ihren Fans, dem Publikum, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Denn Crowdfunding hat immer auch mit Geben zu tun. Die Fans wollen Hintergrund-Informationen, sie wollen die Macher hinter den Projekten kennenlernen, viele wollen sogar ein Teil davon sein. Eine transparente Kommunikation ist also Pflicht.

Das kostet natürlich Zeit, die man idealerweise bereits im Vorfeld einplant. Dabei fließen nicht nur unzählige Stunden in die Vorbereitung der Kampagne und die Interaktion mit den Fans und Supportern, sondern auch im Nachgang gibt es einiges zu tun. Denn die versprochenen Gegenleistungen wollen eingelöst oder zugesandt werden.

Um all das bewältigen zu können braucht es vor allem Engagement. Ohne der eigenen Überzeugung, dass man es schaffen kann, wird es schwierig, ein Projekt erfolgreich abzuschließen.

Welche Vorbereitungen sind vor dem Crowdfunding-Start zu tätigen?

Bevor man seine Projektidee auf einer Crowdfunding-Plattform präsentiert, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man während der Kampagne seine Zielgruppen erreicht. In der Regel ist es daher ratsam, bereits vor dem Start über eine eigene Community bzw. ein Netzwerk zu verfügen oder sich eines aufzubauen.

Zur eigenen Community zählen etwa die Fans der Film-Facebook-Seite oder die Follower auf Twitter, die Abonnenten des E-Mail-Newsletters, aber natürlich auch Kontakte zu Multiplikatoren aus dem privaten Umfeld sowie Kontakte zu Medien- und Presseleuten. Mit gezielten Maßnahmen und regelmäßigen Inhalten kann so die Community bereits im Vorfeld über das Projekt informiert und sie auf diese Weise zum Teil des Projekts werden.

Abgesehen davon sollte man sein Projekt möglichst klar beschreiben und an einer Story arbeiten, die potenzielle Unterstützer neugierig macht bzw. die Fans überzeugt. Damit alle Kommunikationsmaßnahmen gut getimed sind, empfiehlt es sich, einen Redaktionsplan zu erstellen, auf dem alle Meilensteine zum Crowdfunding-Projekt eingetragen werden. Ein Teil dieser Maßnahmen sollte dann bereits im Vorfeld erstellt werden, z.B. E-Mails. Das schafft Übersicht im Team und spart wertvolle Zeit, die während der Kampagne oft kostbar ist.

In der Zwischenzeit kann man sich auf die Suche nach einer geeigneten Plattform machen. Im deutschsprachigen Raum kommen für Film-Projekte u.a. folgende Plattformen in Frage: Indiegogo, Startnext, Visionbakery, WeMakeIt, Kickstarter (mit Einschränkungen) oder auch CineDime, die im Gegensatz zu den anderen genannten kein reward-basiertes Modell anbietet, sondern im Bereich des equity-basierten Crowdfunding aktiv ist.

Sobald man sich für eine Plattform entschieden hat, kann man damit beginnen, die Projektseite so zu gestalten, dass sie möglichst ansprechend ist und genügend Informationen bietet, um Interessierte zu überzeugen. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor stellt hier das Video dar. Dieses sollte nicht länger als drei Minuten dauern und alle wichtigen Fragen beantworten:

  • Wer steht hinter dem Crowdfunding?
  • Warum gibt es diese Kampagne?
  • Wozu wird das Geld benötigt?
  • Welche Gegenleistungen erhält man?
  • Wie kann man das Projekt unterstützen?

Im Beschreibungstext darunter werden diese Fragen dann noch einmal detailliert beantwortet.

Natürlich spielen auch die Gegenleistungen eine wesentliche Rolle, denn sie dienen einerseits als Incentive für die Supporter, andererseits ermöglichen sie den Projektinhabern den Bedarf oder den optimalen Preis ihres Produkts zu ermitteln. Im Filmbereich gängige Prämien sind Namensnennungen im Abspann oder Nennungen als Co-Producer in der IMDB. Auch Film-Downloads, Early Bird DVDs oder Premiereneinladungen mit Meet&Greet sind häufig anzutreffen. Je kreativer und einzigartiger die Prämie aber ist, desto verlockender kann sie sein. Wichtig dabei: die Hauptprämie sollte im “leistbaren” Bereich sein, also in der Regel unter 100 Euro.

Welche Erwartungen kann ich an die Kampagne stellen?

Auch wenn es immer wieder große Film-Projekte wie “Stromberg” (1 Million Euro) oder zuletzt HuanVu’s “The Dreamlands” (über 150.000 Euro) in die Medien schaffen, im Durchschnitt liegen die Zielsummen von Crowdfunding-Projekten generell im Bereich bis 10.000 Euro. Dieser Trend lässt sich auch im Filmbereich erkennen, wie eine Infografik des Crowdsourcingblog.de zum Status Quo des deutschen Film-Crowdfundings 2013 zeigt. Der Großteil der erfolgreichen Projekte sammelte zwischen 1.000 und 5.000 Euro von der Crowd ein.

Infografik zu Crowdfunding

Daher sollte man Crowdfunding keineswegs nur als reines Finanzierungstool sehen, denn oftmals überwiegen die positiven Nebeneffekte. So wird etwa in der Zeit der Crowdfunding-Kampagne permanent kommuniziert. Mit den Fans, dem Publikum, den Medien, den Kollegen, dem Team, den Partnern. So vergrößert sich das Netzwerk laufend und es ergeben sich neue Wege oder spannende Kooperationen. In der Regel empfiehlt das Netzwerk das Projekt auch (gerne) weiter und so entstehen zusätzliche Marketing-Effekte.

Was muss ich also beim Crowdfunding beachten?

Die 10 wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, die auch für die meisten Film-Crowdfunding Projekte gelten sind:

  1. Eine Community aufbauen
  2. Crowdfunding ernst nehmen
  3. Einen Budgetplan erstellen
  4. Einen Kommunikationsplan erstellen
  5. Eine ansprechende Projektseite gestalten
  6. Die eigene Kampagne testen
  7. Mit einem Knall loslegen
  8. Eine Geschichte erzählen
  9. Mit Stretch Goals und Zusatzprämien arbeiten
  10. Nach dem Crowdfunding weitermachen

Autor Wolfgang Gumpelmaier
Der Autor Wolfgang Gumpelmaier beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit Crowdfunding. Er hat zahlreiche Projekte beraten und erfolgreich finanziert und ist am Institut für Kommunikation in Sozialen Medien (ikosom) als Crowdfunding-Beobachter tätig. Er hält Vorträge, Workshops und Webinare, ist Mitglied im German Crowdfunding Network und begleitet mit seinen Online Crowdfunding Workshop angehende Crowdfunder bei der Planung ihrer Kampagnen. Mehr Inputs und Tipps zum Thema finden Sie auch in seinen Blogs gumpelmaier.net und socialfilmmarketing.com.