Wie schneidet man Super8-Filme?

von vinett-video Mediaservice

Ob als Fund auf Großvaters Dachboden oder aus Liebe zur Nostalgie – Super8-Filme sind noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden. So wie Polaroid-Kameras bei Fotografen zunehmend beliebter werden, probieren sich Filmemacher und besonders junge Filmstudenten gerne an Super8-Material aus.
Wie Super8-Filme geschnitten werden, was dabei zu beachten ist und welches Material benötigt wird, soll dieser Beitrag erläutern.

Super8-Filmschnitt – Nasskleben

Beim Nassklebe-Verfahren werden die beiden Enden des geschnittenen Films, die zusammengefügt werden sollen, etwa 2 mm angeschliffen und dann überlappend mit einem flüssigen Klebemittel verbunden.
Der Vorteil des Nassklebens besteht in der kaum sichtbaren Klebestelle. Dieses Verfahren funktioniert jedoch nur bei Acetat-Filmen, wie bspw. von Kodak. Filme aus einem Polyester-Material müssen mit dem Trockenklebe-Verfahren bearbeitet werden.

Super8-Filmschnitt - Trockenkleben

Im Gegensatz zum Nassklebe-Verfahren werden beim Trockenkleben die beiden Filmenden bündig aneinander gelegt und dann mit Klebefolie (ähnlich wie Tesa-Band) über 2-4 Filmbilder miteinander verbunden.
Der Vorteil des Trockenklebens besteht darin, dass Klebestellen verlustfrei wieder gelöst werden können. So lassen sich einzelne Filmstücke neu zusammensetzen.

Welches Material und Arbeitsgerät wird gebraucht?

Super8-Filmbetrachter: Ein Super8-Filmbetrachter verfügt über einen Bildschirm und je einem Transportrad mit Kurbeln auf der linken und rechten Seite. Diese nehmen die Filmspulen auf. Da das Filmmaterial hier nur über zwei Rollen läuft und nicht, wie bei einem klassischen Projektor, zusätzlich über einen Transportstift, sind Super8-Filmbetrachter sehr materialschonend. Viele Filmbetrachter haben zudem eine Materialstanze, mit der Schnittpunkte bereits beim Betrachten des Super8-Films markiert werden können.

Projektor: Alternativ zu einem Filmbetrachter lassen sich Super8-Filme natürlich auch über einen Projektor abspielen und auf einer Leinwand betrachten. In diesem Fall müssten die Zeitpunkte für spätere Schnitte handschriftlich notiert werden, da sie nicht direkt auf der Filmrolle markiert werden können.

Filmspalter: Mit einem Filmspalter (früher waren Filmhobel gebräuchlich) werden Filmbänder exakt an der gewünschten Stelle keilförmig geschnitten. Viele Modelle sind variabel auf unterschiedliche Filmtypen einstellbar und können damit nicht nur für Super8-Filme benutzt werden. Durch verstellbare Justierstifte ist eine genaue Einstellung auf den Bildstrich möglich. Metallstützen halten den Film in der richtigen Position, damit das Band durch eine federnd gelagerte Kufe geschnitten werden kann.

Filmklebepresse: Filmklebepressen haben eine Schiene mit Passstiften, die in die Perforation des Filmbandes greifen. So können die zu verbindenden Filmstreifen exakt positioniert werden. Welche Filmklebepresse man benötigt, hängt vom Klebeverfahren ab. Modelle für das Nassklebe-Verfahren verfügen über eine Schleifscheibe, die die zu klebenden Filmenden abschleift. Diese werden dann mittels Filmkitt miteinander verbunden. In den USA werden häufig auch beheizte Nassklebepressen verwendet, mit denen das Kleben schneller geht. In Europa sind diese jedoch kaum gebräuchlich.
Trockenklebepressen sind einfacher im Handling. Hier werden die zu klebenden Filmbänder in der Führungsschiene auf Stoß zusammengefügt und mit einem Klebeband verbunden. Das Band wird angerieben und Messer schneiden überstehende Stücke ab. Anschließend wird die Perforation im Klebeband ausgestanzt. Alternativ kann bereits vorgestanztes Klebeband verwendet werden.

Filmklebeband bzw. Filmkitt: Um die Filmenden miteinander zu verbinden, werden Filmeklebeband oder Filmkitt genutzt, abhängig vom Klebeverfahren.

Vorspann-Film: Vorspann-Filme sind Filmrollen ohne Datenmaterial. Es empfiehlt sich, mindestens 2 Meter Vorspann-Film vor den eigentlichen Film zu schneiden. So gehen bei möglichen Beschädigungen während des Filmeinfädelns keine wertvollen Filmbilder verloren.
Vorspann-Filme gibt es in verschiedenen Farben. Weißer Vorspann-Film hat den Vorteil, dass er bei der Projektion nicht sichtbar ist. Außerdem kann er im Bedarfsfall beschriftet werden, bspw. mit dem Filmtitel oder Aufnahmedatum.
Viele Schnittprofis und Filmkenner benutzen grünen Vorspann-Film und roten Abspann-Film. So ist auf einer Filmrolle gleich zu erkennen, ob der Film zum Anfang zurückgespult wurde oder am Ende steht. Ist ein längerer Film auf mehrere Rollen verteilt, können verschiedenfarbige Vorspann-Filme auch dazu dienen, zusammengehörige Filmstellen zu markieren.

Laborhandschuhe: Handschuhe sind unerlässlich für sauberes Arbeiten während des Filmschneidens. Fingerabdrücke im Bereich der Klebestelle sind beim Abspielen deutlich sichtbar! Am besten eigenen sich Modelle aus Mikrofaser, denn dieses Material ist sehr filmschonend.

Richtige Aufbewahrung von Super8-Filmen

Für das Schneiden von Super8-Filmen sollte man sich auch einige Leerrollen besorgen, auf denen die herausgeschnittenen Filmteile aufbewahrt werden können. Wer weiß, ob man diese nicht später noch braucht.
Für die richtige Aufbewahrung der Filmreste und der fertigen Super8-Filme werden geschlossene Schachteln, ab besten aus Weißblech oder Kunststoff, benötigt. Da Pappe bei längerer Lagerung, bspw. im Keller, durchfeuchten kann, ist von einer Aufbewahrung in Pappkartons abzuraten!
Die Lagertemperatur sollte 18°C nicht überschreiten. Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 50-55%

Korrekte Reinigung von Super8-Filmen

Bei der richtigen Aufbewahrung von Super8-Filmen sollte es eigentlich nicht passieren, dass die Filmrollen Staub ansetzen. Dennoch ist eine Reinigung vor dem Schneiden oder Überspielen auf eine andere Rolle sinnvoll.
Für eine optimale Reinigung lässt man das Band im Abspielgerät außerhalb des Filmkanals durch ein fusselfreies mit Reinigungsmittel getränktes Tuch laufen. Dabei darf nur wenig Druck auf das Filmband ausgeübt werden. Als Reinigungsmittel empfehlen sich Isopropanol oder Reinbenzin, die eine sehr gute entfettende Wirkung haben.
Einige Abspielgeräte verfügen auch über einen speziellen Reinigungsvorsatz, der am vorderen Spulenarm angebracht werden kann. Der Film läuft dann beim Abspielen durch eine kleine Schale mit Reinigungsmittel.

Mit der richtigen Ausstattung und Vorbereitung stellt das Schneiden von Super8-Filmen kein Problem dar. So können Erinnerungsstücke aufgewertet und zu unvergesslichen Filmen zusammengestellt werden.

Viel Spaß beim Schneiden!