Die perfekte Familienfeier: same procedure as every year..?

von vinett-video Mediaservice

Ob geliebt oder gehasst: Familienfeiern gehören für die meisten von uns einfach dazu. Aber sind sie immer gleich? Und wie bewahren wir eigentlich die Erinnerungen an schöne Momente?

Einige von uns stöhnen schon, wenn sie das Wort Familienfeier nur hören, für andere sind es die schönsten und wichtigsten Tage des Jahres. Manche Familien nutzen diese Zeit um mal wieder alle um einen Tisch zu versammeln, in anderen gehen die Feiertage beinahe unter oder werden nur im engsten Familienkreis begangen. Jeder von uns verbindet seine eigenen Erinnerungen, Gefühle und Erwartungen mit den jeweiligen Feiertagen, sodass es die eine perfekte Feier natürlich nicht gibt.

Ist doch jedes Jahr das gleiche!

So hat sicher jeder von uns schon einmal gedacht. Aber ist das wirklich so? Schaue ich mir meine eigene Familie einmal an und lasse beispielsweise die letzten fünfzehn Jahre Revue passieren, wird mir klar, dass sich doch einiges verändert hat. Ganz heimlich still und leise. Ich bin mit viel Verwandtschaft gesegnet, die sich seit ich denken kann zu den Feiertagen im großen Rahmen trifft. So weit so gut. Was also soll sich verändert haben?

Nun, zum einen sind aus den „Kleinen“, also mir und meinen zahlreichen Cousinen und Cousins Heranwachsende, beziehungsweise Erwachsene geworden. Statt also wie bisher durch das Haus zu toben, Verstecken zu spielen und den Kleinsten im Wintergarten einzusperren, sitzt man in ebendiesem zusammen und tauscht die neuesten Bilder und Videos aus. Die „Erwachsenen“ indes müssen nicht länger auf die Kinderschar achtgeben, Pflaster verteilen oder ebenjene Kleinkinder aus Wintergärten retten. Sie sitzen im Wohnzimmer von Tante M. und…tauschen die neuesten Bilder und Videos aus!

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“

So lehrt uns schon Heraklit von Ephesus. Und der lebte immerhin gut 2500 Jahre vor unserer Zeit! Und das trifft also schon einmal auf die Gestaltung der Feiertage zu. Dasselbe Haus, dieselben Menschen, und trotzdem ist doch irgendwie alles anders. Aber auch die Erinnerungskultur ist eine andere geworden. Bis vor fünfzehn Jahren hielt bei uns die Videokamera von Onkel M. jede Familienfeier akribisch auf Band fest. Schön beschriftet landeten die Videos schließlich bei Opa im Fernsehschrank. Schöne Momente, festgehalten für die Ewigkeit. Garantiert sicher vor Hackern und Systemabstürzen.

Und heute?

Ich habe den Eindruck, als wären die meisten von uns nur noch mit dem Festhalten von scheinbar wichtigen Augenblicken fest. Ich bin da keine Ausnahme. Aber mal ehrlich: Kennt ihr beispielsweise diesen Moment, wenn bei einem Konzert endlich die Band auftritt und man plötzlich nur noch weiße Rechtecke in der Dunkelheit leuchten sieht? Ich auch. Anstatt sich von der Musik und dem Konzertfeeling mitreißen zu lassen, starren 70% des Publikums durch dieses kleine Kästchen-jeder noch so kleine Flatscreen im eigenen Wohnzimmer hätte da mehr Charme…abgesehen davon, dass ich, die Geld bezahlt hat um die Band einmal „live und in Farbe“ zu sehen es einfach als störend empfinde!

Aber zurück zur Familienfeier. Ganz bestimmt hat sich die Menge an Fotos und Bildern in den letzten Jahren vervielfacht. Jedoch sind diese auch verteilt auf viele Mobiltelefone und Tablets. Fotoalben aus Papier bleiben oft leer. So ist es schwierig, die Schnappschüsse zu sammeln und zu konservieren. Sicherlich lässt sich das heutzutage, im Zeitalter von Cloud und Dropbox auch anders gestalten, doch nicht jeder von uns hat die Muße oder nötige Kenntnis, diese neuen Möglichkeiten zu nutzen.

Und auch der Sinngehalt der Bilder hat sich verändert. Man müsste sich fragen, ob es zum Beispiel sinnvoll ist, ständig seine Mahlzeiten zu fotografieren anstatt sie frisch gekocht zu genießen. Oder ob wir, anstatt ständig mit dem Selfie-Stick herumzulaufen und uns zu präsentieren, uns einfach mal wieder dem Erleben selbst hingeben sollten.

Wenn ihr euch demnächst also „mal wieder“ auf einer Familienfeier wiederfindet, schaut euch einfach mal um. Die Veränderungen haben längst Einzug gehalten. Aber hey- legt euer Handy ruhig einmal zur Seite und unterhaltet euch „live“. Die persönliche Unterhaltung wird garantiert immer in Mode sein! Ein Konzert übrigens auch ;-)


Autorin Christina Kliemt
Unsere Autorin Christina, 28, Masterstudentin und Mama von Sophia, schreibt für ihr Leben gern und entdeckt nun die Welt des Bloggens für sich.