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Geräte & Technik

Über die Lebensdauer und Haltbarkeit von Videokassetten

von vinett-video Mediaservice

Magnetbänder gelten im direkten Vergleich zu anderen Datenträgern, wie handelsübliche CDs, DVDs und Festplatten, die oft schon nach wenigen Jahren ihren Geist aufgeben, als hochwertiges und zuverlässiges Speichermedium. Dennoch ist ihre Lebensdauer begrenzt und nähert sich für Videoaufnahmen aus den 80er und 90er Jahren langsam aber sicher dem Ende.

Wie lange Ihre alten VHS-Kassetten noch halten, kann nicht genau beantwortet werden, da gleich mehrere Faktoren wie Lagerung, Handhabung und Equipment die Lebensdauer beeinflussen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Hersteller eine relativ breite Spanne von 10 bis 30 Jahren angegeben. Trotz optimaler Bedingungen verbessert sich - anders als beim Wein - die Qualität Ihrer Videoaufnahmen jedoch nicht mit dem Alter. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Ihnen Ihre Aufnahmen von Bedeutung sind, sichern Sie diese lieber heute als morgen.

Die folgende Grafik verdeutlicht die abnehmende Qualität über die Jahre in Abhängigkeit von der Lagerung am Beispiel von VHS- und Mini DV-Kassetten. Der Alterungsprozess betrifft natürlich auch andere analoge Videoformate, wie Video8, Hi8, VHS-C etc. sowie digitale Formate wie Digital8 und Mini DV, etc.

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Unterschied zwischen analogen und digitalen Formaten

Es können sowohl analoge (z. B. VHS) als auch digitale (z. B. Mini DV) Videoformate auf Magnetbändern gespeichert werden. Obwohl digitale Videoformate jüngeren Datums sind, haben sie bei der Archivierung bzw. beim Alterungsprozess einen entscheidenden Nachteil gegenüber analogen Formaten.

Der Alterungsprozess einer analogen Videokassette ist graduell und erkennbar. Spielt man eine ältere Kassette ab, äußert sich das z. B. durch ein grieseliges Bild und leiernden Ton. Der Vorteil ist hier, dass auch bei Videobändern mit extremen Zerfallserscheinungen einige Videosequenzen zumindest teilweise noch abgespielt werden können.

Ein digitales Format hingegen speichert Informationen in binärer Form. Beim Lesen werden diese Daten umgewandelt, wofür, je nach Format, die Informationen annähernd vollständig vorliegen müssen. Eine digital aufgezeichnete Aufnahme zeigt zwar zunächst keine Ermüdungserscheinungen, jedoch ist irgendwann der Punkt erreicht, wo die redundanten Informationen des Videoformats nicht mehr ausreichen, um das Videosignal auszuspielen. Ein Komplettausfall bei Bild und/oder Ton ist dann die Folge.

Warum ist die Lebenszeit von Videokassetten begrenzt?

Diese Frage möchten wir in diesem Beitrag ausführlicher beantworten. Die Magnetbandtechnologie basiert auf zwei unabhängigen Komponenten, nämlich dem Magnetband und dem Videorecorder. Keine von beiden Komponenten wurde für die Ewigkeit konzipiert und so werden heute beispielsweise für VHS-Kassetten keine Videorecorder mehr produziert. Letztere gibt es auch nur noch gebraucht und im fraglichen Zustand zu erwerben. Das Magnetband, um welches sich dieser Beitrag dreht, ist dagegen chemischen Prozessen ausgesetzt, die seine Bestandteile mit der Umwelt eingehen.

Das Magnetband

Ein Magnetband besteht in der Regel aus 3 Schichten:

  • Magnetschicht aus Magnetpigmenten, Binder und Gleitmittel
  • Kunststoffband als tragende Schicht
  • Rückschicht

Die Magnetschicht speichert die Video- und Toninformationen und wird durch ein Bindemittel in sich und mit dem darunterliegenden Kunststoffband zusammengehalten. Die Magnetpigmente kann man sich wie kleine Nadeln vorstellen. Sie besitzen eine Größe zwischen 0,1 und 1 µm (tausendstel Millimeter). Der Binder, der nicht nur die Magnetpigmente zusammenhält, bildet auch eine glatte Oberfläche, die eine reibungslose Wiedergabe/Aufnahme im Videorecorder ermöglicht. Ohne ihn wäre die Bandoberfläche rau wie Sandpapier. Weitere Zusätze, wie ein Schmiermittel vermindern den Abrieb beim Abspielen und Reibung.

Das Kunststoffband wird als Transportband benötigt, da allein die Magnetschicht viel zu dünn und fragil wäre.

Auf der Rückseite befindet sich eine schwarze Schicht, die für weitere Stabilität sorgt. Ausserdem vermindert sie Reibung sowie statische Aufladung und dient somit als Schutz vor Schmutz und Staub.

3 Ursachen für den Verfall

Auf alle 3 Schichten wirken jeweils Umwelteinflüsse ein, die den Alterungsprozess in Gang setzen. Man geht davon aus, dass das Bindemittel die größte Schwachstelle darstellt, wobei es unbedeutend ist, ob die Kassetten bespielt sind.

Auflösen der Magnetschicht

Der Binder hält die Magnetpigmente auf dem Kunststoffband zusammen. Wird dieser weich oder spröde verliert er seine Bindekraft, was die Magnetschicht zerstören kann. Oft äußert sich dieser Zustand durch klebrige und schmierige Bänder. Ursache ist hier die Hydrolyse, ein chemischer Vorgang, bei dem sich lange Moleküle durch die Reaktion mit Wasser in kürzere spalten. Die kürzeren Molekülketten im Bindemittel besitzen nicht mehr dieselben Eigenschaften, was zu den genannten Effekten führt. Spielt man solche Videobänder ab, kommt es zu ruckartigen Abspielbewegungen, Bandsalat, und im schlimmsten Fall zum Bandriss.

Verlust der Gleiteigenschaften

Das Schmiermittel sorgt für einen reibungsfreien Abspielvorgang und vermindert die Abnutzung des Magnetbandes bei selbigen. Bei einem VHS-Recorder wird das Band um einen schnell drehenden Videokopf gelegt. Hier ist eine geringe Reibung wichtig, da andernfalls das Band übermäßig erhitzt, was ebenfalls zu Beschädigungen führen kann. Über die Zeit wird dieses Schmiermittel durch häufiges Abspielen abgetragen oder verdunstet bzw. oxidiert je nach Material. Dieser Umstand kann ebenfalls dazu führen, dass die Kassette nicht mehr wiedergegeben werden kann.

Instabilität der Magnetpartikel

Ein Magnetpartikel oder -pigment speichert die aufgenommenen Informationen magnetisch in Form seiner Ausrichtung zu anderen Partikeln. Wird die magnetische Ausrichtung ungewollt verändert, gehen die gespeicherten Information unweigerlich verloren. Je mehr die (Rest-)magnetisierung über die Zeit abnimmt, desto schlechter wird das Signal und die entsprechende Information. Die Magnetpartikel unterscheiden sich jedoch abhängig vom Material in ihrer Eigenschaft magnetischen Feldern zu widerstehen und ihre Magnetisierung beizubehalten. Je stärker das magnetische Feld sein muss um die Ausrichtung zu ändern, umso länger bleiben Informationen erhalten. Oft genügt jedoch der Einsatz einer Bohrmaschine oder eines ungeschirmten Lautsprechers in unmittelbarer Nähe, um die Ausrichtung der Partikel wesentlich zu beeinflussen.

Erdmagnetismus hat entgegen der landläufigen Meinung nur einen geringen bis keinen Einfluss auf die Videoqualität.

Hi8-Format

Beim Hi8-Format gibt es zwei wesentliche Arten Bandmaterial: metallbeschichtete (engl.: Metal Particle, MP) und metallbedampfte Bänder (engl.: Metal Evaporated, ME). ME-Bänder haben eine höhere magnetische Dichte und können dadurch besser Signale speichern, weshalb dieser Bandtyp auch bei allen nachfolgenden Digitalformaten zum Einsatz kam. Jedoch hatte man zu Beginn offenbar noch Schwierigkeiten mit der Herstellung, denn einige der damals produzierten ME-Bänder haben inzwischen sehr große Probleme: Zahlreiche Dropouts bei der Wiedergabe, mangelhafte Laufeigenschaften bis hin zu sichtbaren Flecken auf der Bandoberfläche. Solche Bänder sollte man nicht mehr lange im Schrank stehen lassen, sondern sie baldmöglichst digitalisieren.

Schlussfolgerung

Anders als bei Wein, verbessert sich die Qualität Ihrer Videoaufnahmen nicht mit dem Alter. Wenn Ihnen diese von Bedeutung sind, sichern Sie Ihre Videos auf zeitgemäße Speichermedien. Diese bieten den Vorteil, dass Sie Daten einfach kopieren und vervielfältigen können. Verlassen Sie sich nicht auf alte Kassetten. Informationen die verloren gegangen sind, können nicht wiederhergestellt werden.

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