Formatkrieg: VHS vs. VCR vs. Betamax

von vinett-video Mediaservice

Im Jahr 1971 revolutionierten Grundig und Philips die europäische Wohnzimmerkultur, als sie das Videoformat VCR auf den Markt brachten. Doch die Pioniere der Heimvideosysteme blieben nicht lange alleine. Nur wenige Jahre später zogen die japanischen Hersteller Sony mit Betamax und JVC mit der VHS nach. Unter den drei Konkurrenten entstand ein Formatkrieg, aus dem schließlich nur ein Sieger hervorging: Die VHS.

Wir zeigen Ursachen und Hintergründe des "Video-Kriegs" auf und erklären, warum sich die VHS als bandbasiertes Videosystem durchsetzen konnte.

Die Ausgangssituation: VCR vs. VHS vs. Betamax

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren entwickelte sich die Videokassette zu einem Massenprodukt. Nacheinander kamen drei Systeme auf, die untereinander inkompatibel waren und auf jeweils andere Produktions- und Marketingstrategien setzten.

VCR von Grundig und Philips

Die Pioniere der Heimvideokassette kamen aus Westeuropa: Grundig und Philips starteten ihr Kassettenformat VCR im Jahr 1971. Die VCR-Kassette orientierte sich am japanischen U-matic-Format, welches eigentlich für das Schul- und Industriefernsehen konzipiert war. Wie U-matic bot auch VCR zunächst eine Laufzeit von höchstens 65 Minuten. Das sollte sich für den Heimvideobereich als klarer Nachteil herausstellen, da Spielfilme und andere Unterhaltungsformate meistens 90 Minuten und länger dauern. Die Aufnahme einer ganzen Sendung war damit also nicht möglich.

VHS von JVC

Die japanische Firma JVC zog 1976 mit dem Format VHS in Europa nach. Die VHS punktete mit einem Dreistundensystem. Vorerst wurden alle Videorekorder für VHS, unabhängig vom Lizenznehmer, bei JVC in Japan produziert.

Betamax von Sony

Das Zweidreiviertelstundensystem-System Betamax der japanischen Firma Sony erreichte den europäischen Markt im Jahr 1978. Im Unterscheid zu JVC veranlasste Sony ihre Partner, eigene Produktionsstätten in ihren Ländern aufzubauen. Somit dauerte der Anlauf für die Produktion hier naturgemäß länger.

Entwicklung des Formatkriegs

Warum konnte sich die VCR-Kassette, die schließlich zuerst aufkam, nicht behaupten? VHS und Betamax konnten Filme in Spielfilmlänge aufzeichnen und überholten das VCR-System damit ab 1976 technisch. Denn Käufer wollten Filme am Stück abspeichern können.

Philips und Grundig bemühten sich aufgrund des Konkurrenzdrucks zunächst, das VCR-Format weiterzuentwickeln. Zunächst setzten sie die Bandgeschwindigkeit herab und erreichten so eine Kassettenlaufzeit von etwa zwei Stunden. Als JVC 1977 eine Videokassette mit einer Laufzeit von vier Stunden ankündigte, startete Grundig im Alleingang die Massenproduktion des Videosystems SVR (Super Video Recording), das bis zu fünf Stunden lief, jedoch inkompatibel war mit der Vorgängerversion VCR. Philips dagegen verwendete nun stattdessen ein dünneres Bandmaterial mit der älteren Zweistunden-Systemvariante und erreichte so eine Laufzeit von drei Stunden. Die beiden Systeme waren miteinander inkompatibel, Käufer von Grundig-Kassetten konnten diese nun nicht mehr auf Philips-Geräten abspielen. Auch die mittellangen Kassetten von 1977 ließen sich nicht mit den neuen elektronischen Grundig-SVR-Recordern abspielen. Die Kunden von Grundig und Philips reagierten verunsichert. Sie kauften stattdessen die japanischen Produkte von JVC und Sony.

Anstatt sich auf eines der drei inkompatiblen Systeme zu einigen, starteten Philips und Grundig 1979 das System Video 2000 mit einer Laufzeit von zweimal vier Stunden, das erneut mit den Vorgängerprodukten inkompatibel war. Somit existierten ab 1979 die drei Videoformate VHS von JVC, Betamax von Sony und die Neuentwicklung Video 200 von Grundig und Philips nebeneinander. Doch die Kunden blieben gegenüber Grundig und Philips verunsichert. Hinzu kam aufgrund der überstürzten Markteinführung von Video 2000, dass Geräte unzuverlässig abspielten.

Der Sieger des Formatkriegs VHS

Entscheidend für die letztendliche Durchsetzung eines Videokassettenformats am Markt war um 1980 das Angebot beim Mieten und Kaufen von Filmen. Um mehr Kunden zu erreichen, richteten Videotheken sich auf das meist verbreitete System aus: Die VHS.

Der Marktanteil der VHS wuchs. Auch Grundig nahm 1981 das SVR-System überraschend vom Markt und brachte 1984 eigene VHS-Rekorder heraus. 1986 hatte sich die VHS mit einem Marktanteil von 93 % klar durchgesetzt. Video 2000 kam nur noch auf 4 %, Betamax auf 3 %.

1989 wurden keine Video 2000-Rekorder mehr produziert, Betamax-Geräte hatten in Europa kaum einen Absatz mehr. Auch Grundig und Philips verkauften nur noch VHS-Rekorder.

Seit 2012 ist VHS das weltweit führende analoge Videosystem. Betamax-Kassetten sind auf Sonderbestellung erhältlich, die Systeme VCR und Video 2000 nur noch als Gebrauchtware. VHS-Videokassetten und -Rekorder sind dagegen auch heute noch neu zu kaufen.

Der nächste Formatkrieg: VHS vs. DVD

Hatte sich die VHS im "Video-Krieg" zwar durchgesetzt, so währte auch dieser Sieg nicht lange. Denn seit 2000 wurden bandbasierte Videogeräte im Heimbereich durch ein neues Aufnahmemedium verdrängt: Die DVD. Dennoch wollen viele Nutzer weiterhin ihre alten VHS-Aufnahmen nutzen und anschauen. Deshalb können sie auch heute noch VHS-Neugeräte oder VHS-DVD-Kombigeräte erwerben. Viele Verbraucher entscheiden sich jedoch für eine Digitalisierung ihrer VHS-Bänder auf DVD.

Ab 2005 wartete der nächste Formatkrieg um Marktanteile auf sich, diesmal zwischen HD-DVD, VMD und Blu-ray als Nachfolger der DVD. Hier konnte sich Blu-ray behaupten, als Filmstudios sich aus den beiden anderen Konkurrenzformaten zurückzogen.